Administrator2022-09-30T14:49:17.283Z Administrator/Beschleunigungsanreicherung verstehen und tunenmarkdown markdownÀ Uå
Fast jeder, der schon mal eine Megasquirt abgestimmt hat kennt das Phänomen:
Der Motor läuft in jeder Lebenslage gut, aber das "dazwischen" stimmt nicht. Sobald man aufs Gas latscht "verschluckt" sich der Motor. Wer eine Breitbandsonde nebst Display hat sieht sicherlich, dass der Motor in diesem Moment abmagert.
Elementare Erkenntnisse hierzu und warum das so ist finden sich in einer Patentschrift von Toyota
Das ganze physikalische Phänomen daher hier in Kurzform:
Das bedeutet, dass ständig eine gewisse Menge Kraftstoff auf den Kanalwänden "zwischengelagert" wird. Gemäß der Toyota Patentschrift wird die "Wandfilm" genannte Menge Kraftstoff, die dort lagert, im wesentlichen bestimmt durch drei Eingangsgrößen:
Saugrohr-Innendruck (MAP-Wert): Manche kennen vielleicht den Versuch aus dem Physikunterricht, wo im völligen Vakuum unter der Glasglocke Wasser bei Raumtemperautr anfängt zu sieden? Genau dieser Effekt wirkt sich auch bei der Beschleunigungsanreicherung aus!
Im Leerlauf (Maximaler Unterdruck im Ansaugkanal) gelangt fast der komplette Kraftstoff in den Brennraum. Der geringe Umgebungsdruck behindert ein Kondensieren des Kraftstoffs
Unter Vollast hingegen kondensiert immer mehr Kraftstoff an den Kanaloberflächen.
Drehzahl: Bei niedriger Drehzahl kondensiert mehr Kraftstoff, während bei hoher Drehzahl mehr Kraftstoff mitgerissen wird.
Motortemperatur: Es ist nur zu verständlich, dass bei kaltem Motor mehr Kraftstoff in den Kanälen kondensiert.
All diese Faktoren lassen sich nahezu perfekt in der "EAE" genannten Enhanced Acceleration Enrichment abbilden. Dazu jedoch später. Zunächst einmal werden wir die "Traditionelle Beschleunigungsanreicherung" näher beleuchten, mit der sich in nahezu allen Fällen gute Ergebnisse erzielen lassen werden.
Unter diesem Menüpunkt kann man die Grundeinstellungen wählen:

Das Menü "Accel Enrichment Settings"
Wie oben beschrieben, muss eine Motorsteuerung bei plötzlichen Lastwechseln das Gemisch korrigieren. Beim "Gas geben" muss angereichert werden. Beim "vom-Gas-gehen" kann abgemagert werden.

Das Menü "Accel Enrichment Wizard"
Als "Datenquelle" für die Triggerung der Beschleunigungsanreicherung muss das Lastsignal verwendet werden.
Konkret bedeutet dies, dass entweder das MAPdot oder das TPSdot Signal hierfür verwendet werden kann (oder beide).
Im folgenden gibt's ein paar Infos, was es beim Abstimmen zu beachten gibt.

Der Klick zum Glück: Hier kann man EAE aktivieren
EAE ist die Abkürzung für Enhanced Acceleration Enrichment und ist gewissermaßen das Gegenstück zur "X-Tau-Beschleunigungsanreicherung" in der MS2 Firmware von Bowling&Grippo. Da -vom Prinzip her- beide Systeme identisch funktionieren, sei das ganze hier am Beispiel der EAE im (hierzulande verbreiteteren MSextra Code) näher erklärt.
Wie eingangs schon erklärt wurde, lagert sich permanent Kraftstoff auf den Ansaugkanälen ab. Gleichzeitig wird auch Kraftstoff mitgerissen, es bildet sich also ein Gleichgewicht.
Wichtig ist hierbei, dass sich der Kraftstoff auf den Kanal-Wänden in einer Art "Pfütze" ablagert. Grundsatz: Je höher der Ansaugbrücken-Innendruck ist, desto mehr Kraftstoff lagert sich auf den Wänden ab. Steigt also die Motorlast (Ansaugbrücken-Innendruck steigt), lagert sich mehr Kraftstoff in dieser "Pfütze" ab, der (kurzzeitig) dem Motor für die Gemischbildung fehlt.
Das bedeutet für die Beschleunigungsanreicherung: Wenn Gas gegeben wird, muss kurzzeitig mehr Kraftstoff eingespritzt werden. Dies funktioniert in der Praxis zwar recht gut, folgt aber keinen mathematischen Gesetzmäßigkeiten und ist damit oft recht ungenau, getreu dem Motto "Viel hilft viel".

Die Einstellung der "ADW"-Kurve am Beispiel eines VW 2L Motors
Dies ist die Menge Kraftstoff, die bei jedem Impuls des Einspritzventils an den Wänden des Ansaugkanals (und der Ventile) hängen bleibt. Werte von 20% bei niedrigem MAP Wert (großes Vakuum) und 60-70% bei hohen MAP Werten (Umgebungsdruck oder Ladedruck/Überdruck) sind üblich. Die Form der Kurbe kann von Motor zu Motor abweichen.

Das "Gegenstück" (SOW-Kurve), ebenfalls am Beispiel eines VW 2L Motors
Dies ist die Menge an Kraftstoff, die von den Wänden des Einlasskanals während jeder Ansaugtaktes mitgerissen wird. In dieser Kurve liegen Werte von etwa 2% bei niedrigem MAP Wert (großes Vakuum), um 6-15% bei hohem MAP Wert (niedriges Vakuum). Auch hier sollte man im Wesentlichen nur die Form der Kurve ändern.

Wandfilm-Aufbau Drehzahlkorrektur ADW RPM
Dies Kennfeld dient dazu, um den Wandfilm-Aufbau den verschiedenen Drehzahlen anzupassen. Bei niedrigen Drehzahlen sammelt sich mehr Kraftstoff an den Wänden des Einlasskanales. Bei höheren Drehzahlen hingegen wird sich aufgrund der höheren Strömungsgeschwindigkeit der angesaugten Luft weniger Kraftstoff von den Kanalwänden sammeln.

Wandfilm-Aufbau Temperaturkorrektur (wie in den meisten Fällen kpl auf 100%)
Diese Tabelle dient dazu, die von den Kanalwänden mitgerissene Kraftstoffmenge für verschiedene Drehzahlen anzupassen. Bei niedrigen Drehzahlen, wird weniger Kraftstoff von den Kanalwänden mitgerissen werden als bei höheren Drehzahlen.
Motoren mit geringen Anzahl von Einspritzimpulsen pro Kurbelwellenumdrehung können mit EAE eine schlechte Gasannahme aufweisen. Bei schnelle Gaspedalbewegungen kann sich die Motorlast zwischen einzelnen Einspritzimpulsen erheblich ändern. Wenn der MAP Wert nur minimal "hinterher hinkt" können in einem solchen Lastwechsel-Moment sowohl die grundlegende Kraftstoffbemessung (GVE) als auch der EAE Korrekturwert nicht schnell genug aktualisiert werden, um eine gute, knackige Gasannahme zu gewährleisten. EAE mit Verzögerungsausgleich (Lag-Kompensation) verringert dieses Problem durch das Hinzufügen zusätzlicher Einspritzimpulse immer dann, wenn sich Gaspedalstellung oder Ladedruck schnell ändern. Alle Einspritzimpulse in dieser Lag-Compensation Phase sind kleiner, so dass die Gesamtmenge an Kraftstoff pro Umdrehung identisch zu der Menge sein sollte, die bei der normale Anzahl Einspritzimpulse eingespritzt wird.
Der Auslöser für den Verzögerungsausgleich (Lag Compensation) können MAPdot oder TPSdot sein. Hierzu wird die Schwelle in den Einstellungen entweder in% TPS / Sekunde oder kPa / s und mit "max rpm" eine Drehzahl-Obergrenze gewählt. Grundvoraussetzung ist hierfür natürlich dass im Auswahlmenü "EAE With Lag Compensation" gewählt wird.

Wandfilm-Aufbau Temperaturkorrektur (wie in den meisten Fällen kpl auf 100%)
Beachte, dass die Minimal- und Maximalwerte der Kennlinien für Wandfilm- Aufbau und Wandfilm-Abbau nur minimal geändert werden sollten. Die ''Form'' der Kurve ist es, die den entscheidenden Unterschied macht.
Werden die Werte in der Wandfilm-Aufbau-Kennlinie (Adhere to wall constants) erhöht, so bewirkt dies, dass beim Gas geben mehr zusätzlicher Kraftstoff eingespritzt wird.
Werden die Werte der Wandfilm Abbau Konstante (EAE sucked from wall constants) erhöht, so magerd der Motor beim vom-gas-gehen stärker ab.
Wenn man sich dies Grundprinzip vor Augen hält, kann man anfangen EAE abzustimmen.
Am besten fängt man an, indem man die Wandfilm- Aufbau- und Abbau-Kurven bei mittlerer Drehzahl anpasst. Die beiden Drehzahl-Korrekturlinien sollten hierbei über den gesamten Bereich auf "100%" eingestellt sein
WICHTIG: Im Gegensatz zur Standard Beschleunigungsanreicherung kann man EAE nicht im Leerlauf (ohne Last) durch Gasstöße abstimmen. Auch nicht ansatzweise. Das geht garantiert schief.
Am besten fängt man an, indem man bei mittlerer Drehzahl die Motorlast variiert. Sagen wir z.B. bei 3000UPM. Ziel muss es sein, die Kurven so abzustimmen, dass der Lambda/AFR Wert sich nur minimal ändert.
Für alle die, die an der Mathematik interessiert sind, die sich dahinter verbirgt (ähnlich wie bei X-tau der Mathematik): Im Code der ms2_extra_main.c in Release 1.0.0 liegt EAE ab Zeile Nummer 1643, und in ms2_extra_ign_in.c, ab Zeile 732.
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